das herrenhaus

Wir hatten schon ein paar Jahren regelmäßig unsere Freizeit in dieser Gegend verbracht, als wir uns dafür entschieden, hier auch geschäftlich festen Boden unter den Füßen anzustreben. Eines war klar: Privatwohnraum, vorzugsweise in einem wiederherzustellenden historischen Gebäude, hatte Priorität. Eine erste digitale Suche ergab sofort ein interessantes Ergebnis: in einem uns völlig unbekannten Dorf namens Irota wurde die Ruine eines Herrenhauses (‘Kúria’ auf ungarisch) zum Verkauf angeboten. “Technisch in gutem Zustand”, jubelte der Anzeige. Allerdings ließen die beigefügten Bilder anderes vermuten. Ein erster Ortsbesuch gab uns wenig später recht. Das Haus befand sich in einem furchtbaren Zustand. Fenster und Türen fehlten, feuchte Stellen überall, morsches Holz, abgesackte Wände... nun, Gründe genug, um davonzurennen und niemals wiederzukommen. Und doch... Es war zweifellos einmal ein schönes Haus gewesen, mit seinem monumentalen Aufgang, seiner schönen Lage und klassizistischen Architektur. Dazu kam dann noch das Dorf selbst mit seiner wunderschönen Umgebung und seinem ausgezeichneten Pflegezustand. Unsere Entscheidung hatten wir eigentlich schon getroffen.

Das Haus gehörte einst der Adelsfamilie Fáy. Als die Kommunisten nach dem Zweiten Weltkrieg die Macht in Ungarn übernahmen, gab es im Bauern- und Arbeiterparadies keine aristokratischen Privilegien mehr: nachdem der Familie zunächst erlaubt wurde, weiterhin im Haus zu bleiben, wurde es schließlich verstaatlicht. Das Haus wurde Wohnsitz und Büro des örtlichen Parteisekretärs und diente ebenfalls als Gemeindehaus (lange Zeit war es der einzige Ort in Irota, wo es einen Fernseher gab, und spielte daher eine wichtige Rolle während internationaler Fußballmeisterschaften), Hausarztpraxis und Bibliothek. Nach 1989 entfielen diese Tätigkeiten und das Haus wurde dem Verfall anheim gegeben. Die Gemeinde verkaufte es an einen Privatanleger, der wegen der bevorstehenden ungarischen EU-Mitgliedschaft hohe Erwartungen an den Verkaufspreis hatte.

Fast ein Jahr verging, bevor es zu einer Abmachung kam und wir uns also ernsthaft überlegen mußten, wie wir unser Ziel erreichen könnten: die Wiederherstellung des Hauses in seinen früheren Glanz mit gleichzeitiger Anwendung der neuesten energieneutralen Technologien.

Für die Stromerzeugung wurden Sonnenanlagen, für die Warmwasserbereitung Solarkollektoren an der Seite des Hauses aufgestellt, so dass sie kaum sichtbar sind. Die Außenwände sind mit einer dicken Schicht von Zellstoff aus alten Zeitungen ummantelt, die, zusammen mit Dreifachverglasung, ausgezeichnete Isolierung bietet - fast in Übereinstimmung mit dem Passivhaus-Standard. Lüftung mit Wärmerückgewinnung (und im Sommer mit Kälterückgewinnung) in Kombination mit dicken Steinmauern von 65 cm und 25 cm Isolierung verschafft ein angenehmes Klima. Im Gegensatz zur Verwendung der neuesten Technologien ist die Erwärmung durch traditionelle Kaminöfen vorgesehen, eine logische Wahl angesichts der bewaldeten Umgebung von Irota. Holz ist reichlich vorhanden und die Transportentfernung ist minimal (dazu, nicht zuletzt, werden Bäume neu angepflanzt). Wohnzimmer und Büro sind jeweils mit einem Kachelofen ausgestattet und werden nur einmal am Tag geheizt, der Ofen strahlt aber die Wärme den ganzen Tag aus. Im Winter werden die Mahlzeiten auf einem Holzofen, der auch den Raum heizt, zubereitet. Das Lüftungssystem sorgt dafür, dass die Wärme sich in die anderen Zimmer verbreitet. Im Dorf gibt es keine Kanalisation, daher reinigen wir unser eigenes Abwasser biologisch und bereiten es für die Wiederverwendung vor. Die Kombination der neuesten Technologien und traditioneller Holzheizung macht dieses Herrenhaus einzigartig.

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